Bäume sind Zeitzeugen!

In den letzten Wochen haben wir, wie immer im Frühjahr, fleißig das Holz aus dem diesjährigen Einschlag aufgesägt, die rohen Bretter entrindet, in Pakete sortiert und in das Sommerlager eingestapelt, wo sie luftig liegen, duften, weiter trocknen und langsam zu Dielenholz werden. Die Qualität von Holz erkennt man großteils schon am stehenden Baum, aber wirklich sicher kann man erst sein, wenn man die Stammstücke aufschneidet. Und: wir konnten sehen, die Qualität ist großartig, Freude!
Bei einigen Stämmen aus einem Wald bei Friesack stieß die Säge auf eingewachsene Granatsplitter, sehr zum Ärger unseres Sägers, den so eine Entdeckung jedesmal ein teures Sägeband kostet. Bei Friesack nordwestlich von Berlin tobten zum Ende des Krieges Rückzugsgefechte von SS-Verbänden gegen die vorrückende Rote Armee. Die Kiefern, die wir jetzt verarbeiten, wurden um 1900 gepflanzt und gepflegt. Sie überstanden zwei Weltkriege. Sie waren 1918 noch zu jung, um nach Frankreich als Reparationsleistung zu gehen und nach 1945 immer noch zu dünn, um in die Sowjetunion abtransportiert zu werden. Und einige dieser pflanzlichen Zeitzeugen sind noch heute „Kriegsversehrte“. Wie lange wird es dauern, bis die Folgen des unmenschlichen Krieges in der Ukraine verwunden sind? Der außer einer humanitären Katastrophe ja auch ein großflächiges Gewaltverbrechen gegen die Natur ist. Und ein Verbrechen gegen die Natur ist immer auch eines gegen die Menschlichkeit.
Mir fällt es in dieser Zeit schwer, den Alltagsgeschäften heiter weiter nachzugehen. Andererseits: was sonst? Wir haben in diesem Jahr noch Dielen aus Stieleiche und Roteiche, sowie noch etwas Kiefer auf Lager. Zugleich nehmen wir schon Vorbestellungen für das kommende Jahr entgegen.
Herzlichen Gruß aus dem Wald, Ihr „Dieler“ Erik Heinrich.

2022-05-01T09:08:24+02:00Mai 1st, 2022|